Dive One Tauchsafari 2004

Angekündigt ist sie als der „Luxustrip!", die Tauchsafari vom 13. bis 20.Juni 2004 der Veranstalter Tauchsport Gläßer und aquatec. Das Ziel der Reise, das Rote Meer des südlichen Ägyptens wäre ja beinahe schon Garant für beindruckende und unvergessliche Taucherlebnisse. Aber gerade auch die Beschreibung des Schiffes, der „DiveOne" liest sich äußerst vielversprechend. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Der Superlativ war in keiner Weise übertrieben und in jeder Hinsicht gerechtfertigt.

 

Der Reisetag startet entspannt, wenngleich trotz Vorabend-Check-in's unangenehm früh. Aber um sechs Uhr startet unser Flugzeug und wir landen etwa 4 Stunden später in Hurghada. Diesen Teil der Reise nehmen wir kaum wahr, aber ab jetzt kriecht jede Minute langsam und zäh voran. Bis Hamata, dem Liegeplatz der „DiveOne", fahren wir noch sechs lange Stunden mit dem Bus die Küstenstraße entlang. Vorbei an Marsa Alam, vielen zum Teil erst halbfertigen Hotelanlagen und Sand, Sand, Sand.... Aber wir erreichen unser Ziel dann doch gegen 17 Uhr Ortszeit. Hamata ist ein unscheinbarer Flecken südlich von Berenice, direkt an der Küste gelegen, und vielleicht nur deshalb zu gewisser Bekanntheit gelangt, weil viele Tauchsafaris dort ihren Ausgangspunkt haben. Den Transport des Gepäcks über den Steg zu den Zodiaks der „DiveOne" dürfen wir hier selbst besorgen; sehr zum Mißfallen einiger Mitreisender, die das Wort „Luxus" wohl gerne anders verstanden hätten. Andererseits bleibt uns so wenigstens auf dem Hinweg das bisweilen lästige Handeln und Schachern am Pier erspart. An Bord beziehen wir unsere Kabinen und erhalten nach einem Abendessen ein ausführliches Bootsbriefing durch den Eigner und Guide Josè und seiner Partnerin Chiara.
Und es hatte niemand zu viel versprochen. Das Boot ist in der Tat beinahe luxuriös ausgestattet und bietet einen Komfort, den man auf einem Tauchschiff nicht erwarten würde. Klimatisierte, saubere und beinahe großzügige Doppelkabinen, einen gemütlichen Salon und zwei Sonnendecks beeindrucken und lassen uns die nächsten Tage mit Spannung erwarten. Daß auch die schiffs- und tauchtechnische Ausstattung zeitgemäß, modern und makellos ist, ist beinahe schon eine Selbstverständlichkeit. Die gesamte Besatzung, vom Kapitän bis zum Schiffsjungen, verrichtet ihren Dienst während der gesamten Reise überaus professionell und stets auf eine angenehm unaufdringliche, aber dennoch hilfsbereite Weise. Die täglichen Höhepunkte an Bord sind aber zweifelsohne die reichlichen, äußerst schmackhaften und abwechslungsreichen Mahlzeiten. Serviert wird grundsätzlich eine für den europäischen Gaumen gewohnte Kost; wir erleben also keine Abenteuer mit lokaler Küche.
Doch zurück zum eigentlichen Zweck unserer Reise: dem Tauchen.

Zum ersten Riff der Safari, Sha'ab Osam, fahren wir am frühen Morgen des 14. Juni etwa eine Stunde. Der isolierte, auf dem Weg nach Süden liegende und bis an die Meeresoberfläche reichende Turm nordöstlich des Gebiets um Ras Banas wurde von den Guides für den Checkdive ausgewählt. Nach kurzem, aber umfassendem Briefing werden wir entlassen und erfahren zum ersten Mal auf dieser Reise die unglaubliche Fauna und Flora des Roten Meers dieser Breitenzonen. Verglichen mit dem was noch kommen sollte, ist dieser Felsen zwar beinahe unscheinbar, aber bei einfachster Orientierung („immer an der Wand lang...") und moderater Tauchtiefe genießen wir die 27 Grad Wassertemperatur und die phantastische Sicht im klaren Wasser.

Nach etwa einer Stunde Tauchzeit und einer kurzen Pause an Bord geht es weiter nach Süden, Richtung St. John, wo wir fast drei Stunden später unser nächstes Ziel, die Riffgruppe des Sha'ab Omkhoram erreichen. Vier Säulen (Ergs) auf einem sandigen Plateau in etwa 20 Meter Tiefe, gerahmt von zwei langgesteckten Riffformationen lassen auf eine große Vielfalt von Meeresbewohnern hoffen. Und genau so ist es auch. Neben Schwärmen rifftypischer Barsche fesselt uns insbesondere eine Gruppe (kleinerer) Napoleons und eine erste kurze Begegnung mit einem Weißspitzen-Riffhai.

An gleichem Platz führen wir auch unseren ersten Nachttauchgang durch und begegnen auf Anhieb einer Spanischen Tänzerin mit ihren Partnergarneelen und anderen nachtaktiven Meeresbewohnern. Bei diesem und allen weiteren Nachttauchgängen prallen dann auch zwei Philosophien aufeinander. Die Schule der „Dunkeltaucher", die ihren Tauchgang am liebsten mit minimalster Beleuchtung duchführen und die Jünger der „Neugierigen", die auch bei Nacht gerne ein optisches Erlebnis bevorzugen.

Der zweite Tag unserer Safari beginnt mit der Anfahrt auf das größte Riff im St. John, den Sha'ab Farag. Wir tauchen an der Nordflanke des steil abfallenden Korallenblocks an einem schmalen Plateau entlang und kehren in etwa 6m Tiefe auf „Gegenkurs", an mehreren Höhlen vorbei, zurück zum Schiff. Nach dem Frühstück geht es noch weiter in den Süden und wir erreichen etwa gegen Mittag den Abu Gafar. Diese spizte Nadel steigt steil aus 65m Tiefe empor und verjüngt sich an der Oberfläche zu einem lediglich 30x15m schmalen Riffdach. In Sprialen tauchen wir an dieser Formation empor und lassen uns von der unglaublichen Farbenpracht der Hart- und Weichkorallen und der überwältigenden Vielfalt und Menge der Schwarmfische begeistern. Abu Gafar ist der absolute Höhepunkt der gesamten Safari.
Das südlichste von uns im St. John angesteuerte Riff, das „Dangerous Reef", erreichen wir noch bei Tageslicht. Dort finden wir zwar einen interessanten Tauchplatz vor - imposant sind insbesondere die zerklüftete Riffwand mit zahlreichen tiefen Spalten, Höhlen und großen, freistehenden Korallenblöcken - aber nach dem uns immer noch gegenwärtigen Eindruck des Abu Gafar und des mitterweile tiefen Sonnenstands wirkt er im Hinblick auf Fauna, wie auch auf Flora, beinahe schlicht.
Das Ziel am nächsten Morgen ist Abil Ali, südöstlich der Zabargad Islands, ein Tauchplatz, der aufgrund hoher Chancen auf Haie zu treffen wohl häufig Ziel von Safaries ist. Wir ankern in der südöstlichen Kante des mäßig großen Korallenriffs, dessen Flanke hier über eine kleine Terrasse steil in die Tiefe abfällt. Auf etwa 40 Meter strecken Reihen großer Grogonien ihre Fächer in das Dunkel und wir befinden uns plötzlich oberhalb eines mit Sand bedeckten Absatzes auf dem eine Gruppe Weißspitzen-Riffhaie ruht. Beim Aufstieg begegnen wir einem grauen Riffhai und in der Nähe des Riffdachs mehreren Napoleons und einem Büffelkopf-Papageienfisch beachtlicher Größe. An gleichem Platz führen wir einen weiteren Tauchgang durch, werden dazu aber mit den Zodiaks an der Westseite des Riffs ausgesetzt. Dann geht es zurück zum „Dangerous Reef", wo wir unseren zweiten Nachttauchgang absolvieren. Anders als am Vortag interessieren wir uns nun besonders für die kleinen, weitgehend im Verborgenen lebenden Tiere und beobachten diverse Garneelen, See- und Haarsterne und Schnecken in vielerlei Farben und Formen.

Am Donnerstag, den 17.Juni, tauchen wir wieder an der westlichen Flanke des Abil Ali. Kaum sind wir im Wasser zieht ein großer Schwarm von Schnappern, flankiert von einer Gruppe Barrakudas, über uns hinweg und verdunkelt den Riffhang. Am mitterweile schon vertrauten Tauchplatz begegen wir wie schon Tags zuvor typischen Korallenfischen und Riffbewohnern, aber auch Schwarmfischen des offenen Meeres und einigen Haien.
Nun geht es wieder Richtung Norden und unser nächster Stopp ist bei Sha'ab Maksur, wo wir ein tiefes Plateau auf der Nordseite des Riffs betauchen. Beim Abtauchen sehen wir in der Ferne schemenhaft einen Hammerhai verschwinden. Zum zweiten Tauchgang fahren wir nach Farsha am Wadi Gimal, ebenfalls ein tiefes Korallenplateau in etwa 25m Tiefe mit einigen Türmen, die bis auf 15m aufragen. Der letzte Tauchgang des Tages ist gleichzeitig der letzte am Wadi Gimal. Das Riff Dahara wird zum Höhepunkt aller Nachttauchgänge. Zwar sorgt ein sehr anhänglicher (weil von uns aufgeschreckter) Feuerfisch zeitweise für ein mulmiges Gefühl, jedoch entdecken wir in geringer Tiefe uns völlig unbekannte Tiere von mitunter bizarrer Gestalt in einem wahren Garten aus Hartkorallen.

Der letzte Tauchgang auf See am 19.06.2004 findet am Gotha Sharm Ost, nördlich des Wadi Gimal statt. Er kann sich aber mit den Eindrücken und Erlebnissen der letzten Tage nicht mehr messen. Auch der Abschlusstauchgang in der Nähe des Hafens von Marsa Alam (den ich ausfallen lasse) soll nur noch mäßig interessant sein. Dem Gesamteindruck tut dies aber keinen Abbruch - im Gegenteil: wir sind beinahe froh, den so fällt uns der Abschied von der „DiveOne" und ihrer Crew etwas leichter.
Wieder an Land besteigen wir unseren Bus und erreichen nach vier Stunden Fahrt das Hotel „LaPerla" in Hurghada. Dort verbringen wir die letzte Nacht, bis es am 20.06., nach einigen hin und her über die Abflugzeit, zurück nach München geht.

Die gesamte Reise hat die Bezeichung „Luxustrip" voll und ganz verdient. Die Tauchgänge waren traumhaft, das Schiff und die Crew hervorragend. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Soviel ist sicher.

 
PADI - Dive Center Aqualung Atomic CMAS - SUB Interessensgemeinschaft Tauchen in Bayern